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Haben Avocados eine hohen CO2-Fussabdruck?

Jakob Tresch

Wenn dir deine Freundin ein schlechtes Gewissen macht, weil du in letzter Zeit viele Avocados gegessen hast, fragst du dich vielleicht, ob Avocados gut für den Planeten sind.

Gemäss unseren eigenen Daten liegt der durchschnittliche Fussabdruck einer Avocado bei rund 1.2 kg CO2e pro Kilogramm Avocado ab Hof. Das ist höher als bei anderen Früchten und Gemüsen wie Kartoffeln und Äpfeln, aber immer noch deutlich tiefer als bei den meisten tierischen Produkten.

Wenn wir es genauer wissen wollen, müssen wir allerdings zuerst verstehen, wo Avocados normalerweise angebaut werden und wie die Lieferketten aussehen. Und hier wird es ein bisschen kompliziert.

Wo wachsen Avocados?

Mexiko, Kolumbien und die Dominikanische Republik gehören zu den grössten Produzenten der Welt. In Europa hat in Portugal, Spanien und Marokko eine gewisse Produktion begonnen, verglichen mit den grossen Produzenten aber in deutlich kleinerem Umfang.

Globale Avocadoproduktion nach Region

Spielen die Emissionen aus dem Transport eine Rolle?

Für einen kürzlich erschienenen Zeitungsartikel haben wir ein paar Zahlen für die Schweiz gerechnet. Was passiert, wenn wir eine Avocado aus Peru (per Schiff transportiert) und eine Avocado aus Peru (per Flugzeug transportiert) mit einer Avocado aus Spanien (per Lastwagen in die Schweiz transportiert) vergleichen?

Vergleich verschiedener Avocados, die in der Schweiz konsumiert werden

Vergleich Avocado Kosum in der Schweiz nach Herkunftsland

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Avocado aus Peru (Schiff)

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Avocado aus Peru (Flugzeug)

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Avocado aus Spanien (LKW)

Unsere Daten zeigen, dass die mit Abstand höchsten Emissionen bei der per Flugzeug transportierten Avocado anfallen, mit 16.328 kg CO2e pro Kilogramm Avocado. Die Avocado per Schiff verursacht 3.133 kg CO2e pro Kilogramm Lebensmittel, und die Avocado aus Spanien liegt bei 1.75 kg CO2e.

Zusammengefasst: Die Avocados aus Spanien und Peru haben leicht unterschiedliche Emissionen aus dem Anbau, aber der Transport per Schiff oder Lastwagen ist vernachlässigbar. Entscheidend ist einzig, ob eine Avocado an ihren Verbrauchsort geflogen wird.

Was verursacht die Emissionen bei Avocados?

Da die globale Avocado-Produktion weiter zunimmt, werden immer mehr Flächen in Avocado-Plantagen umgewandelt. Das führt zu Landnutzungsänderung, einem wesentlichen Treiber der Avocado-Emissionen. Es bedeutet, dass Flächen, die vorher Wald waren, in Avocado-Anlagen umgewandelt werden. Als Teil dieser Veränderung geht die Begrünung des Bodens verloren, was grosse Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit hat. Eine Bodenbegrünung hilft, das Wasser im Boden zu halten, wenn es regnet, und es abzugeben, wenn zu wenig da ist.

Avocado Produktion von 1961 bis 2024

Wie viel Wasser braucht eine Avocado wirklich?

Im Durchschnitt braucht eine Avocado rund 70 Liter Wasser im Anbau. Das klingt nach viel für eine einzelne Frucht, und das ist es auch, aber für einen Obstbaum ist es nicht ungewöhnlich und es ist nicht die interessante Zahl.

Interessant wird es, wenn man statt des Durchschnitts eine bestimmte Region anschaut. In der Region Valparaíso in Chile wurde dieselbe Avocado auf rund 320 Liter geschätzt, weil sie an trockenen Hängen in einem Gebiet wächst, das seit Jahren unter Dürre leidet. Im Petorca-Tal wuchsen die Plantagen von rund 2000 Hektar Ende der 1990er Jahre auf über 16000 Hektar im Jahr 2019, während einzelne Anwohnerinnen und Anwohner zeitweise mit 50 Litern pro Person und Tag per Tanklastwagen versorgt wurden, für ihren gesamten Haushalt.

Aber es zeigt die Grenze einer CO2-Zahl. Ein Liter Wasser in Deutschland und ein Liter Wasser in Petorca sind derselbe Liter in unserer Datenbank und in der Realität völlig verschiedene Dinge. Wasserknappheit ist lokal, auf eine Weise, wie CO2 es nicht ist. Darum beantwortet der Fussabdruck allein nie die ganze Frage.

Solltest du also ein schlechtes Gewissen haben?

Zurück zu deiner Freundin oder deinem Freund. Eine Avocado wiegt rund 200 Gramm, bei unserem Durchschnitt sind das etwa 0.25 kg CO2e für die ganze Frucht. Ein Rindssteak von 200 Gramm liegt irgendwo zwischen 10 und 20 kg CO2e. Du müsstest monatelang jeden Tag eine Avocado essen, um ein einziges Steak-Abendessen einzuholen.

Beim CO2 hat sich dein Gegenüber also das falsche Ziel ausgesucht. Was du isst, zählt weit mehr als die Frage, woher es kommt.

Wenn du eine Regel willst, die tatsächlich etwas bringt: Schau auf die Herkunft. Spanien, Portugal und Marokko erreichen uns über Land oder auf kurzen Routen. Peru, Chile und Südafrika kommen per Schiff, und das ist auch in Ordnung.