Welche Lebensmittel haben einen hohen CO2-Fußabdruck?

Nicht alle Lebensmittel sind aus Umweltperspektive gleich. Jedes Produkt auf deinem Teller hat einen CO2 Fussabdruck, eine Kennzahl, die die Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus widerspiegelt: Landnutzung, Futtermittelproduktion, Verarbeitung, Transport und Abfall.
Ein sinnvoller Einstieg ist, das Verhältnis von Emissionen zu Nährwert zu betrachten. Wasser beispielsweise verursacht praktisch keine Emissionen. Gleichzeitig liefert es aber weder Protein noch Fett oder Mikronährstoffe. Als Vergleichswert taugt es daher nur begrenzt. Die eigentliche Herausforderung für die Lebensmittelindustrie besteht darin, Nahrungsmittel zu identifizieren, die eine hohe Nährstoffdichte bieten, ohne unverhältnismässig hohe Umweltkosten zu verursachen.
Rindfleisch: Das bekannte Problem
Rindfleisch ist das meistdiskutierte Beispiel, und das aus gutem Grund. Es steht an der Spitze der meisten Emissionsrankings und verursacht typischerweise zwischen 20 und 70 kg CO₂-Äquivalente pro Kilogramm essbarem Produkt, abhängig von Region und Produktionssystem.
Das Kernproblem ist die Effizienz, beziehungsweise deren Mangel. Für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch wird eine enorme Menge an Futtermitteln benötigt. Diese müssen angebaut, geerntet und transportiert werden, wobei jeder Schritt eigene Emissionen verursacht. Ein Bericht aus dem Jahr 2023, beauftragt vom WWF, zeigt, dass ein durchschnittlicher EU-Bürger jährlich 61 kg Soja konsumiert, wovon 93 Prozent nicht direkt gegessen werden, sondern indirekt über tierische Produkte in die Nahrungskette gelangen. Der Grossteil dieses Sojas wird als Tierfutter verwendet.
Das bedeutet konkret: Wenn man den CO2 Fussabdruck von Rindfleisch misst, betrachtet man nicht nur das Tier selbst, sondern die gesamte vorgelagerte Lieferkette, die es ernährt.
Fleisch und tierische Produkte
Das Prinzip, das für Rindfleisch gilt, lässt sich auf die gesamte Kategorie von Fleisch und tierischen Produkten übertragen. Ihr Umwelteinfluss hängt massgeblich davon ab, was die Tiere fressen und wie effizient sie dieses Futter in essbares Protein umwandeln.
Huhn wird oft als das CO2-effizienteste Fleisch bezeichnet. Die Umwandlungsrate ist deutlich besser als bei Rind oder Lamm. Deshalb wird Geflügel in vielen Nachhaltigkeitsstrategien als pragmatischer Zwischenschritt gesehen.
Dieses Bild wird jedoch komplexer, sobald ethische Fragen einbezogen werden. In Diskussionen, die unter anderem von Philosophen wie Peter Singer geprägt sind, spielt das Konzept der Ersetzbarkeit eine Rolle. Eine einzelne Kuh liefert beim Schlachten eine grosse Menge Fleisch, während ein einzelnes Huhn deutlich weniger beiträgt. Um die gleiche Proteinmenge zu erzeugen, müssen daher deutlich mehr Hühner gehalten und getötet werden.
Milchprodukte und Fisch
Milchprodukte und Fisch liegen im mittleren Bereich der Emissionsskala, was sie jedoch nicht unbedeutend macht. Beide werden weltweit in grossen Mengen konsumiert und sind mit komplexen Umweltsystemen verbunden.
Die Emissionen von Milchprodukten werden durch ähnliche Faktoren wie bei Rindfleisch bestimmt, insbesondere durch Futtermittel und Methanemissionen, da Kühe die Hauptquelle sind. Ein Kilogramm Käse kann leicht mehr als 10 kg CO2e verursachen. Ein Liter Kuhmilch liegt bei etwa 1 bis 3 kg CO2e. Diese Werte sind deutlich niedriger als bei Rindfleisch, aber Milchprodukte kommen in vielen verarbeiteten Lebensmitteln vor, wodurch sich ihr Beitrag über die gesamte Ernährung hinweg summiert.
Fisch ist deutlich variabler. Wild gefangener Fisch kann eine relativ niedrige Emissionsbilanz haben. Allerdings können energieintensive Fangmethoden, lange Transportwege und Kühlung die Emissionen erheblich erhöhen. Zuchtfisch wie Lachs weist einen Fussabdruck auf, der stark von den eingesetzten Futtermitteln abhängt, oft inklusive Fischmehl aus Wildfang, was zusätzliche Umweltbelastungen verursacht.
Weitere Beispiele
Schokolade und Kaffee haben einen eher hohen Fussabdruck. Beide sind Rohstoffe, die eng mit tropischer Entwaldung verbunden sind, was erhebliche Emissionen durch Landnutzungsänderungen verursacht. Insbesondere die Kakaoproduktion steht in Verbindung mit Abholzung in Westafrika und Südostasien, wodurch die Emissionen aus Landnutzung oft den grössten Anteil am gesamten Fussabdruck ausmachen.
Reis ist ein Grundnahrungsmittel für einen grossen Teil der Weltbevölkerung und erzeugt Methan durch anaerobe Zersetzung in überfluteten Reisfeldern. In der Summe ist der Beitrag erheblich, auch wenn einzelne Portionen vergleichsweise gering erscheinen.
Stark verarbeitete Lebensmittel sind schwieriger zu bewerten, da ihr Fussabdruck auf viele Zutaten und energieintensive Produktionsschritte verteilt ist. Dennoch sind sie besonders relevant, da ihre Zusammensetzung, und damit auch ihr CO2 Fussabdruck, gezielt durch Reformulierungen verändert werden kann.
