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Pizza ist nicht gleich Pizza: Warum CO2-Kategorien gefährlich ungenau sind

Marius Semm

Viele Retailer und Hersteller berechnen ihre Scope-3-Emissionen heute auf Basis von Produktkategorien. Eine Pizza fällt in die Kategorie «Fertiggerichte» und bekommt einen Durchschnittswert zugewiesen. Klingt pragmatisch. Ist es aber nicht. Es ist schlicht ungenau.

Das Kategorienproblem: Äpfel, Orangen und Tiefkühlpizza im selben Topf

Die Kategorie «Fertiggerichte» ist eine der ungenauesten im gesamten Lebensmittelbereich. Darin landen gleichzeitig Pasta mit Tomatensauce, ein Produkt mit sehr niedrigen CO2-Emissionen dominiert von pflanzlichen Zutaten, und Tiefkühlpizza mit Salami und Käse, ein Produkt mit deutlich höherem Fussabdruck getrieben von tierischen Produkten.

Der Durchschnittswert dieser Kategorie ist für beide Produkte falsch. Für das eine zu hoch, für das andere zu tief. Wer darauf eine Klimastrategie aufbaut, trifft keine einzige fundierte Entscheidung, sondern rechnet mit einer Zahl, die die Realität systematisch verzerrt.

Doch selbst wenn man eine Ebene tiefer geht und nur Tiefkühlpizzen betrachtet: Das Problem verschwindet nicht. Es wird nur etwas kleiner sichtbar. Und genau das ist das Thema dieses Artikels.

Zwei Pizzen. Gleiche Kategorie. 29% Unterschied.

Zwei Produkte aus dem Schweizer Lebensmittelhandel, die auf dem Regal nebeneinander stehen und für den Konsumenten zur selben Produktgruppe gehören:

Pizza Ristorante Salami: 2.79 kgCO2e / kg Pizza

Pizza Ristorante Spinaci: 1.97 kgCO2e / kg Pizza

Das entspricht einem Unterschied von 29.3%, bei zwei Produkten derselben Marke, desselben Formats, derselben Kühltheke.

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Warum? Die Antwort steckt in den Zutaten

Ein Blick auf die Emissionsquellen erklärt den Unterschied sofort.

Bei der Salami-Pizza sind die beiden grössten Treiber Salami mit 29.8% der Gesamtemissionen und Mozzarella mit 17.5%. Zusammen verursachen zwei tierische Zutaten fast die Hälfte des gesamten CO2-Fussabdrucks des Produktes.

Bei der Spinaci-Pizza fehlt die Salami vollständig. Der Mozzarella bleibt und ist mit 39.7% der grösste Einzeltreiber. Aber ohne die Salami als zweiten Hauptemittenten sinkt der Gesamtwert deutlich.

Das Weizenmehl, die Tomaten, der Transport sind bei beiden Pizzen vergleichbar. Der Unterschied entsteht ausschliesslich durch die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe.

Was das in der Praxis bedeutet

Wenn mit Kategoriedaten gearbeitet wird, bekommen die Salami-Pizza und die Spinaci-Pizza denselben CO2-Wert zugewiesen. Verbesserungen durch Rezepturoptimierung sind unsichtbar. Emissionsintensive Produkte tauchen nicht als Handlungsfeld auf. Und ein Scope-3-Bericht auf dieser Basis hält keiner externen Prüfung stand.

29% Unterschied innerhalb einer Produktlinie sind keine Randnotiz. Das ist der Unterschied zwischen einer fundierten Klimastrategie und einer gut gemeinten Schätzung.

Der einzige Weg zu echter Genauigkeit: produktbasierte Berechnung

Nicht auf Kategorieebene, nicht auf Sortimentsebene, sondern auf Produktebene, basierend auf den tatsächlichen Inhaltsstoffen. Für jedes Produkt wird der CO2-Fussabdruck auf Basis seiner realen Zusammensetzung berechnet. Das schafft Vergleichbarkeit innerhalb einer Kategorie, macht Hebel sichtbar und liefert Zahlen, die einer Prüfung standhalten.

Pizza ist nicht gleich Pizza. Und eine verlässliche CO2-Bilanz sollte das widerspiegeln.

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