Niatsu

Ist ein Fussabdruck obligatorisch?

Jakob Tresch

Alle reden über Product Carbon Footprints (PCFs). Aber brauchen Sie wirklich einen PCF, und worin besteht der Unterschied zu einer LCA oder Ihrem Unternehmens-Nachhaltigkeitsbericht?

Stand der PCFs im Jahr 2026

Mit Ausnahme der Batteriebranche gibt es in den meisten Industriezweigen bislang keine verpflichtenden PCF-Regeln. Freiwillige Rahmenwerke wie PACT schliessen diese Lücke, und in jedem Quartal veröffentlichen immer mehr Unternehmen ihre Footprints. Der Druck kommt vor allem von grossen Einkäufern, die bei vielen Lieferanten beschaffen und ihre Lieferketten-Emissionen im Detail verstehen müssen. Bei Niatsu erleben wir diese Entwicklung unmittelbar mit unseren Kunden aus der Lebensmittelindustrie, wo PCF-Anfragen von nachgelagerten Marken inzwischen ein fester Bestandteil der Verkaufs-Gespräche sind.

Der Mechanismus ist einfach: Wenn ein grosses Unternehmen ein Produkt einkauft, landen die damit verbundenen Emissionen in seinem Scope-3-Inventar. Wenn der Einkäufer den PCF jedes einzelnen Produktes kennt, kann er die Emissionen auf Basis der Liefermengen aggregieren. Bezieht ein Unternehmen 10'000 Flaschen Coca-Cola, multipliziert es 10'000 mit dem PCF einer Flasche und erhält eine präzise Emissionszahl für diesen Einkauf. Ohne lieferantenspezifische PCFs müssen Einkäufer auf Branchendurchschnitte zurückgreifen, die weniger präzise sind und es erschweren, gezielte Massnahmen umzusetzen.

Brauchen Sie einen PCF?

Drei Auslöser führen typischerweise zum ersten PCF-Projekt. Der konkreteste ist eine direkte Kundenanfrage, häufig von einer grossen Marke oder einem Händler, der sein eigenes Scope-3-Reporting ausbaut. Wenn Ihnen das bereits passiert ist, lautet die Frage nicht mehr ob, sondern wie schnell Sie reagieren können.

Der zweite Auslöser ist strategisch: Wenn Sie neue Produkte entwickeln oder bestehende Produkte neu formulieren, ermöglicht ein PCF, CO2-Berechnungen direkt ins Produkt einfliessen zu lassen und internes Know-how aufzubauen, das Ihre Wettbewerber nicht haben werden.

Der dritte Auslöser ist regulatorisch. Verpflichtende PCF-Anforderungen existieren heute für die meisten Sektoren nicht, aber die Richtung ist klar: Es ist realistisch, in den nächsten 18 Monaten für viele Produktkategorien der Lebensmittelindustrie mit den ersten Kundenanfragen zu rechnen.

Wenn keiner dieser Punkte auf Sie zutrifft, haben Sie noch Zeit. Trifft einer zu, beginnt man die Arbeit am besten jetzt, denn ein glaubwürdiger PCF braucht Wochen, nicht Tage, und gerade die Datenerhebung lässt sich nicht beschleunigen.

PCF vs. LCA vs. Unternehmens-Nachhaltigkeitsbericht

Diese drei Begriffe werden häufig verwechselt, erfüllen aber sehr unterschiedliche Zwecke. Eine Ökobilanz (Life Cycle Assessment, LCA) bildet das wissenschaftliche Rückgrat: eine umfassende, standardisierte Analyse (ISO 14040/14044) sämtlicher Umweltwirkungen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg.

Eine LCA geht über CO2 hinaus und kann Wasserverbrauch, Landnutzung, Toxizität und vieles mehr abdecken. Ein Product Carbon Footprint (PCF) ist im Grunde ein auf CO2 fokussierter Teil einer LCA. Er nutzt dieselbe Methodik, beschränkt den Untersuchungsrahmen jedoch ausschliesslich auf Treibhausgasemissionen, ausgedrückt in kg CO2e.

Das macht ihn schneller erstellbar, einfacher kommunizierbar und direkt zwischen Lieferanten vergleichbar. Ein Unternehmens-Nachhaltigkeitsbericht hingegen setzt auf Unternehmensebene an. Er aggregiert Ihre Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen über alle Aktivitäten hinweg, häufig nach Rahmenwerken wie dem GHG Protocol oder GRI.

Wie berechnet man einen PCF?

Die Berechnung eines PCF folgt einem definierten Prozess, der typischerweise an Standards wie ISO 14067 oder dem PACT-Rahmenwerk ausgerichtet ist. Genau diese Methodik wendet Niatsu für seine Kunden an. Der erste Schritt ist die Festlegung der funktionellen Einheit und der Systemgrenze, also was genau gemessen wird und wo der Lebenszyklus des Produkts beginnt und endet.

Niatsu empfiehlt in der Regel einen «Cradle-to-Gate»-PCF, der die Rohstoffgewinnung bis zur Produktion abdeckt, aber vor Distribution und Nutzung endet. Für B2B-Lieferanten in der Lebensmittelindustrie ist dies die praktikabelste Wahl, da Kunden anschliessend ihre eigenen nachgelagerten Daten auf das Niatsu-Ergebnis aufsetzen können.

Es folgt die Datenerhebung: das Sammeln von Aktivitätsdaten für jede Lebenszyklusphase und deren Verknüpfung mit Emissionsfaktoren aus Emissionsdatenbanken. Genau hier schafft Niatsu echten Mehrwert, denn die Qualität und Spezifität der Daten bestimmen unmittelbar die Glaubwürdigkeit des Ergebnisses. Niatsu ist darauf ausgelegt, Ihre Eingabewerte automatisch mit Emissionsfaktoren zu verknüpfen.

Für die meisten Unternehmen dauert die Erstellung des ersten PCF mehrere Monate mit Niatsu erhalten Sie den ersten PCF Ihrer Lebensmittelprodukte in wenigen Stunden.