Warum Retailer der wichtigste Hebel für echten Klimaschutz sind

Sortimente transparent gemacht
Für Retailer ist der CO2-Fussabdruck längst mehr als eine Kennzahl im Nachhaltigkeitsbericht. Er entwickelt sich zu einer zentralen Steuerungsgrösse für Einkauf, Sortiment und Markenpositionierung. Während Energieverbrauch in Filialen oder Emissionen aus der Logistik vergleichsweise gut kontrollierbar sind, liegt der eigentliche Hebel für wirksamen Klimaschutz dort, wo Retailer täglich Entscheidungen treffen: im Sortiment.
Das Sortiment als Hebel und als Verantwortung
Im Einzelhandel entstehen über 95 % der gesamten Emissionen durch die verkauften Produkte – also in den sogenannten Scope-3-Emissionen. Diese Emissionen liegen zwar überwiegend in vorgelagerten Lieferketten, doch die Verantwortung für das Sortiment liegt klar beim Handel.
Retailer entscheiden:
- welche Produkte gelistet werden,
- welche Lieferanten zum Zug kommen,
- welche Produktgruppen wachsen oder schrumpfen,
- und welche Alternativen Kund:innen im Regal vorfinden.
Damit steuern sie indirekt, aber wirksam, einen Grossteil der klimarelevanten Emissionen. Ohne Transparenz über die Emissionswirkung einzelner Produkte bleiben diese Entscheidungen jedoch blind. Nachhaltigkeit wird dann zur Annahme und nicht zur messbaren Steuerungsgrösse.
Die Realität im Handel: Komplexe Sortimente, fehlende Daten
Die Herausforderung ist offensichtlich: Sortimente bestehen aus tausenden Artikeln, unterschiedlichen Materialien, Produktionsländern und Lieferketten. Entsprechend stellen sich Retailer zentrale Fragen:
- Welche Produkte verursachen besonders hohe Emissionen?
- Wo liegen die grössten Reduktionspotenziale im Sortiment?
- Welche Sortimentsentscheidungen zahlen messbar auf Klimaziele ein?
Lange galt die Analyse grosser Sortimente als aufwendig, teuer und ungenau. Häufig fehlten belastbare Primärdaten, sodass mit Durchschnittswerten oder pauschalen Annahmen gearbeitet wurde. Gerade bei breiten und heterogenen Sortimenten führten diese Vereinfachungen zu grossen Unsicherheiten und damit zu eingeschränkter Entscheidungsfähigkeit.
Neue Transparenz: Entscheidungsgrundlage für Retailer
Moderne, datenbasierte CO2-Analysen verändern diese Ausgangslage grundlegend. Heute lassen sich selbst Sortimente mit über 11.000 Produkten systematisch, vergleichbar und skalierbar bewerten.
Für Retailer bedeutet das konkret:
- Emissionstreiber im Sortiment werden sichtbar
- Produktgruppen lassen sich objektiv vergleichen
- Einkaufs- und Listungsentscheidungen können faktenbasiert getroffen werden
- Nachhaltigkeit wird Teil der Sortimentsstrategie – nicht nur des Reportings
Der entscheidende Unterschied liegt im Zugang zu belastbaren Daten. CO2-Datenanalyse-Spezialisten arbeiten mit verifizierten Emissionsfaktoren, Lebenszyklusinformationen, Lieferantendaten und statistisch abgesicherten Modellen statt mit pauschalen Annahmen. Dadurch lassen sich Emissionen nicht nur rückblickend präzise berechnen, sondern auch zukunftsorientiert simulieren – etwa zur Bewertung von Lieferantenwechseln, Materialalternativen oder Sortimentsverschiebungen.
Vom Pflicht-Reporting zur aktiven Steuerung
Für Retailer ist Transparenz im Sortiment weit mehr als eine Voraussetzung für regulatorische Anforderungen oder ESG-Berichte. Sie wird zum strategischen Werkzeug.
Handelsunternehmen, die ihre Sortimente verstehen,
- treffen resilientere Einkaufsentscheidungen,
- reduzieren Risiken in der Lieferkette,
- erfüllen steigende regulatorische Anforderungen effizienter,
- und schaffen glaubwürdige Nachhaltigkeit gegenüber Kund:innen, Investor:innen und Mitarbeitenden.
Nachhaltigkeit beginnt im Regal
Wer als Retailer den eigenen Unternehmens-Fussabdruck ernsthaft reduzieren will, muss dort ansetzen, wo er entsteht: bei den Produkten im Regal. Deshalb setzen immer mehr Handelsunternehmen auf Transparenz entlang der Lieferkette und fordern von ihren Zulieferern belastbare CO2-Daten ein.
Für Lieferanten wird diese Transparenz zunehmend zur Voraussetzung für eine Zusammenarbeit mit grossen Handelsketten. Für Retailer wiederum ist sie die Grundlage, um gesellschaftliche Erwartungen, politische Regulierung und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden.
Ein transparentes Sortiment verwandelt Komplexität in Steuerbarkeit – und Nachhaltigkeit in messbare Wirkung.
